Talentsichtungscup in Hochdahl

21./22. Oktober 2006: Talentsichtungscup in Hochdahl

Fangen wir außnahmsweise einmal bei den “Kleinen” an. Hier gibt es sehr erfreuliches zu berichten. Der Nachwuchs des KLZ und des Llstp. Düsseldorf-Neuss tritt in die Fußstapfen der “älteren” Turnerinnen.

Anastasija Scherer die in der AK 8 für das KLZ an den Start ging, konnte zum ersten Mal einen Sieg in einem Turnwettkampf erzielen. Schon seit einiger Zeit warten die Trainer auf solch einen Erfolg bei dieser fleißigen und talentierten Turnerin. Mit 35,3 Punkten und der Tageshöchstwertung mit 9,2 Punkten am Boden siegte sie, mit einem Zehntel, vor ihrer Trainingspartnerin Anna Leuchtenberg von der TG Neuss. Das hier gleich zwei Turnerinnen aus dem Stützpunkt Düsseldorf-Neuss auf dem Treppchen stehen, spricht für die gute Nachwuchsarbeit im Zentrum am Karweg. Mit Lena Stickel und Lena Stecklina die ebenfalls in Hochdahl an den Start gingen wächst hier eine gute Mannschaft für die Zukunft heran.

Erfreuliches gibt es auch aus der AK 7 zu berichten. Unser Neuzugang Celine Seel, die ihren ersten AK-Wettkampf überhaupt turnte, belegte gleich auf Anhieb, mit sehr guten 36,1 Punkten, den zweiten Platz in dieser Konkurrenz. Unglaublich! Zudem turnte sie noch die Tageshöchstwertung am Sprung mit 9,3 Punkten.

In der AK 9 ging Caroline Cramer für das KLZ an den Start. Caro turnte wie immer verläßlich, souverän und stabil ihre Übungen. Mit zwei Tageshöchstwertungen am Balken (8,60 Punkte) und am Sprung (8,85 Punkte) belegte sie am Ende knapp den undankbaren vierten Platz.

Für Katrin Göbel in der AK 10 lief es fast perfekt. Sie turnte einen guten Wettkampf und belegte den guten zweiten Platz. Eine neue Bodenübung, neue Teile am Balken und die Tageshöchswertung in dieser Altersklasse am Sprung sicherten ihr den Platz auf dem Treppchen.

Kommen wir nun zu den “Großen”. In Hochdahl wurden zum ersten Mal die neuen Pflichtübungen des DTB geturnt. Es gab viel Diskussionsstoff bei Trainern, Kampfrichtern und Eltern. Die neuen Übungen sind vom DTB exakt vorgegeben und lassen keinen Spielraum für individuelles Können der Turnerinnen. Die Bewertung ist streng und schafft durch diese Strenge sehr viel Unmut bei Turnerinnen und Trainern. Es bedarf noch viel Arbeit bis sich dieses neue System in den Köpfen aller Beteiligten manifestiert.

Saskia Berger in der Altersklasse 10 kommt mit den Bedingungen der neuen Pflichtübungen wohl am Besten zu Recht. Sie belegte in dieser schweren Konkurrenz den ausgezeichneten zweiten Platz. Saskia turnte sehr gute 32,20 Punkte und wurde mit nur 0,05 Punkten Unterschied von einer Turnerin aus Stuttgart geschlagen. Sanisa Abedini und Svenja Claußen kommen mit den Bedingungen der neuen Pflichtübungen noch nicht klar. Zu viele Fehler in der Ausführung und der Sauberkeit der Übungen verwiesen sie auf die Plätze 8 und 10. Hier gibt es noch viel zu tun!

In der Alterklasse 11 gingen vier Turnerinnen aus dem KLZ an den Start. Auch hier wurden die neuen Pflichtübungen des DTB geturnt. Konnten die Turnerinnen im ersten Halbjahr noch die “alten” AK-Übungen turnen, die trotz hoher Anforderungen noch Spielraum für individuelle Entwicklungen offen ließen, müssen sie nun, ebenso wie in der Alterklasse 10, vorgegebene Übungen turnen. Dies fällt diesen Turnerinnen umso schwerer, da sie teilweise schon Kürwettkämpfe (siehe Bericht Esslingen) turnten und sich nun an Teile probieren müssen, die sie nie in ihren alten AK-Übungen aufgenommen hätten. Zudem muss noch gesagt werden, das ab 2007 (also in weniger als drei Monaten) diese Turnerinnen das Kürprogramm des DTB turnen müssen.

Wenn dann noch das Pech der Verletzung hinzukommt, schafft das natürlich Frust bei allen beteiligten Trainern und Turnerinnen. Simone Kuhlmann konnte nur Stufenbarren turnen. Ein angebrochener Zeh, den sie sich beim Training (Einschwingen am Barren) zu gezogen hat verhinderte einen Vierkampf. Sie turnte dennoch die Beste Barrenübung aller Konkurrentinnen mit “7,20″ Punkten. (Fällt aber für mindestens drei Wochen aus.) Emily Pachal hätte, wie sich im Anschluss herausstellte, gar nicht an den Start gehen dürfen. Eine virale Lungenentzündung wird sie für mindestens zehn Tage aus dem Training herausreißen. Silvia Holzer turnte ebenfalls die neuen Pflichtübungen. Ihr merkt man noch die Defizite der Grundausbildung der ersten Jahre an. Silvia würde das alte AK-Programm mit mehr individuellem Freiraum besser entgegenkommen, da man gezielter auf die Stärken der einzelnen Turnerinnen eingehen kann. Ein Beispiel: Silvia muss in diesem neuen Programm Tsukahara turnen, obwohl ihr von der Bewegungsstruktur Überschlag-Salto mehr entgegen kommen würde. Melina konnte auch nur Barren turnen. Sie hat sich im Training bei Yurschenko am Sprung die Bänder überdehnt. (Also die Einzige die sich bei “einem wirklichen Turnteil” eine Verletzung zu gezogen hat). Die Barrenübung hat sie dennoch, gut geturnt.

Insgesamt gab es an diesem Wochenende viel Diskussionsstoff bei Trainern, Kampfrichtern und Eltern. Die neuen Übungen, speziell die der Altersklasse 11, sorgten für viel Unmut und zeitweise “Galgenhumor” bei den Turnerinnen. Wertungen von einem oder zwei Punkten waren eher die Regel den die Ausnahme. Keine Turnerin der Alterklasse 11 hätte nach diesem Wettkampf die Aufnahme in den Bundeskader (mindestens 28 Punkte) geschafft. In der Alterklasse 10 (mindestens 29 Punkte) hätten dies nur vier Turnerinnen geschafft. Ob dies der richtige Weg für die Zukunft des Turnens ist, muss hier an dieser Stelle offen gelassen werden.